Doshas Vata, Pitta, Kapha – Die Lehre der Ayurveda-Typen

Doshas Vata, Pitta, Kapha – Die Lehre der Ayurveda-Typen

Wir werden nicht nur online auf Miraherba, sondern auch in unserer Ayurveda-Praxis beinahe täglich mit der Frage: „Was ist mein Dosha und was sagt mir das?“ konfrontiert. Das Internet ist voll von Dosha-Tests. Sie sind bestimmt schon auf den ein oder anderen "Bestimmen Sie Ihren Ayurveda Typ"-Test gestoßen. Das macht zwar Spaß, allerdings gehen wir davon aus, dass man sich selbst gegenüber nie ganz objektiv sein kann und unterstellen diesen Tests ein diagnostisches Zu-kurz-Greifen.     

 

Fundiertes Ayurveda-Wissen bei Miraherba

Sehen Sie uns also nach, wenn wir an dieser Stelle auf einen der beliebten Dosha-Tests verzichten und uns etwas tiefer in die Materie begeben.

Statt eines unterhaltsamen Tests bieten wir Einblicke in fundiertes Ayurveda-Wissen: In diesem Artikel stellen wir das Prinzip der Tridoshas vor und berichten über ihren Zusammenhang mit den fünf Elementen und den 20 Eigenschaften der Doshas. Anschließend sprechen wir über den Begriff der (Grund-)Konstitution prakriti, über die Koshas (Körperhüllen) und unsere mentale Konstitution, das manasa prakriti. Dort begegnen wir dem Begriff der gunas und was sie mit dem Ungleichgewicht der Doshas, mit vikriti zu tun haben. Schließlich folgen noch einige Beispiele und Tipps aus der Ayurveda Praxis, die das Ganze anschaulicher machen.

 

Die Tridoshas im Ayurveda

Das Konzept der drei (tri) Doshas – Vata, Pitta und Kapha – ist das Fundament und die Ausgangsbasis für jede ayurvedatherapeutische Intervention. Sie sind so etwas wie der Schlüssel zu unserer Gesundheit. Dem holistischen Denken des Ayurveda liegt die Idee zugrunde, dass psychische, physische und seelische Gesundheit nur dort existieren kann, wo die Funktionsprinzipien oder auch Grundenergien des Körpers, also die drei Doshas, in Balance sind. Die Verbindung von Anatomie, Physiologie und Psychologie wird im Ayurveda also mit Hilfe der Doshas hergestellt.

 

Was bedeutet das Wort Dosha?

Für das Wort Dosha gibt es keine eindeutige Übersetzung. Es bedeutet so viel wie „Makel“ oder „Fleck“, wobei dies nicht als Wertung zu verstehen ist, sondern als eine Zuordnung verschiedener psychophysiologischer Zustände und Eigenschaften.

Doshas verfügen über keine eigene Körperlichkeit, sie sind vielmehr höchst dynamische Kräfte, die all unsere biologischen und psychischen Prozesse auf körperlicher, geistiger und seelischer Ebene steuern.

Wie die Doshas wirken

Eine Funktion der Doshas ist die des Schutzmechanismus oder der Barriere. Sie reagieren durch Veränderung und Anpassung ihrer Eigenschaften auf interne und externe Reize. Sind unsere Doshas ausgeglichen, fühlen wir uns vital, wach, aufmerksam, harmonisch in uns und mit unserer Umwelt und strahlen von innen heraus. Sind unsere Doshas im Ungleichgewicht, beginnen wir uns unwohl zu fühlen und Krankheiten können beginnen zu entstehen.

 Die fünf Elemente des Ayurveda.

 

Grundprinzipien des Ayurveda: Die Doshas und die fünf Elemente

In jedem Dosha sind immer alle fünf Elemente präsent. Im Ayurveda heißen sie Mahabuthas. Die Doshas lassen sich aber je nach Dominanz der in ihnen wirkenden Elemente voneinander unterscheiden. Jedes Dosha hat mehrere ihm eigene Eigenschaften, gunas, die seine Zuständigkeit für verschiedene Funktionen im Körper zeigen. Auch wenn jedes Dosha im ganzen Körper auffindbar ist, gibt es Regionen, in denen sich seine Aktivität besonders zeigt, bzw. wo die Hauptanfälligkeit für Störungen liegt.

 

Die fünf ayurvedischen Elemente sind:

Äther/Raum [akasha], Luft [vayu], Feuer [tejas], Wasser [apas] und Erde [pruthivi], oder wie es der Ayurveda-Verband ausdrückt:

Alles, was wir in unserer Welt wahrnehmen, setzt sich aus Erde, Wasser, Feuer, Luft und Äther zusammen. Die unterschiedliche Ausprägung der Elemente bestimmt, ob wir ihre Manifestation eher auf der materiellen (körperlich manifestierten) oder auf der feinstofflichen (geistigen/emotionalen) Ebene wahrnehmen können.

 

Wie die fünf Elemente laut Ayurveda auf den Körper wirken

In der Anatomie und Physiologie des Ayurveda gelten die fünf Elemente als konstituierend für die funktionellen und strukturellen Bestandteile des Körpers.     
Zu den strukturellen Bestandteilen zählen die sieben Körpergewebe (Dhatu), die Ausscheidungsprodukte (Mala) und die Körperkanäle (Srota). Die funktionellen Bestandteile des Körpers sind der Stoffwechsel (Agni) und die Funktionsprinzipien (Doshas).

Schauen wir uns die Doshas und ihre insgesamt 20 Eigenschaften etwas genauer an.

 

Das Bewegungsprinzip Vata Dosha - Raum und Luft

Die Kombination der Elemente Raum und Luft bestimmt das Bewegungsprinzip Vata. Vata ist verantwortlich für das Nervensystem, die Atmung sowie alle Bewegungsabläufe im Körper. Ein ausgeglichenes Vata-Dosha steht für Flexibilität und Kreativität, Freude und Leichtigkeit; es herrscht ein ruhiger, klarer und wacher Geist.

Die primären Eigenschaften von Vata sind trocken, hell, kalt, fein, beweglich, spröde und klar.

 

Das Dosha der Transformation: Pitta - Feuer und Wasser

Die Dominanz von Feuer und Wasser konstituiert Pitta. Pitta steht für Transformation, entsprechend ist Pitta für alle Stoffwechselvorgänge verantwortlich. Es regelt die Verdauung und die Körpertemperatur. Auf mentaler und emotionaler Ebene steht Pitta für Intelligenz, Unterscheidungsfähigkeit, Emotionen, Aktivität, Mut und Ausstrahlung. Ist Pitta im Gleichgewicht, so fühlt man sich zufrieden, energetisch, gewitzt, weitsichtig und klar im Geist.

Die Eigenschaften von Pitta sind heiß, scharf, leicht, ölig, flüssig und ausdehnend.

 

Was uns stabilisiert: Kapha Dosha - Erde und Wasser

Kapha steht für Stabilität, Liebe, Ruhe und Gelassenheit. Das verwundert nicht, denn diesem Dosha werden die Elemente Erde und Wasser zugeschrieben. Kapha verleiht dem Körper Festigkeit und Erdung und hält den Flüssigkeitshaushalt im Gleichgewicht. Ist unser Kapha-Dosha ausgeglichen, fühlen wir uns kräftig, ausdauernd, verfügen über gute psychische Stabilität, Geduld und ein gutes Immunsystem.

Die Grundeigenschaften von Kapha sind: schwer, langsam, flüssig, kalt, ölig, klebrig, schleimig/weich, dicht, hart, statisch, trüb und plump.

 Die drei Doshas und die Wirkung der Elemente

 

Die Doshas und die Natur allen Seins - Prakriti und manasana prakriti

Die drei Doshas finden sich in jeder Zelle, in jedem Organ, Gewebe, System und auf jeder Ebene unseres Bewusstseins. Sie sind eine elegante Beschreibung der biologischen, physiologischen und psychologischen Organisation des menschlichen Organismus. Doshas puffern aber nicht nur äußere und innere Reize und versuchen, auf allen Ebenen Harmonie herzustellen. Sie spielen zudem eine wichtige Rolle in der Formung unserer individuellen Konstitution (prakriti).

 

 Maharishi über Konstitution und Ungleichgewicht der Doshas

Wenn du erstmal erkennst, was prakriti, was vikriti ist und wenn du dann bewusst lebst, erkennst du, wann ein bestimmtes Dosha ins vikriti gerät. So kannst du ohne krank zu werden die vikriti reduzieren. Das Konzept von prakriti - vikriti ist sehr praktisch und kann dir helfen, ein gesundes und harmonisches und immer wieder enthusiastisches Leben zu führen.

 

Koshas – die Körperhüllen des Ayurveda

Das Ayurveda unterschiedet fünf Körperhüllen (koshas), die vom Grobstofflichen ins Feinstoffliche gehen. Die beiden grobstofflichen Körperhüllen sind die Anatomie und Physiologie des menschlichen Körpers. Der feinstoffliche Körper repräsentiert die Psyche, die Gefühle, die Gedanken und das göttliche Bewusstsein des Menschen. Der feinstoffliche Körper macht einen grossen Teil unserer Persönlichkeit aus und versorgt uns mit Lebensenergie, Freude und Liebe. Jene drei feinstofflichen Körper basieren auf den Eigenschaften der drei Gunas.

 

Die Gunas des inneren Körpers im Ayurveda

Die stets wirkenden Kräfte der Natur, die sich als geistige Qualitäten, bzw. spirituelle Seinszustände auf unserer mentalen Ebene widerspiegeln, sind die drei Gunas sattva, rajas und tamas. Sie wirken auf unsere feinstofflichen Körper.

  • Sattva – verkörpert das Prinzip der Reinheit, Ausgeglichenheit und Harmonie
  • Rajas – steht für Aktivität, Ruhelosigkeit und Unstetigkeit
  • Tamas – ist das Prinzip der Trägheit, Dunkelheit und Passivität
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Die Ausprägung der ayurvedischen Gunas können wir beeinflussen

Unsere mentale Konstitution, das manasa prakriti, ist im Vergleich zur angeborenen und in ihrer Natur unveränderlichen materiellen körperlichen Ebene wandelbar. Wollen wir glücklich sein, so können wir durch Arbeit an uns, u.a. durch Meditation, Yogasana, Atmung, Reflexion, etc. dafür sorgen, dass Sattva als Harmonie- und Reinheitsprinzip überwiegt.

Prakriti ist jedem Menschen angeboren und unveränderlich, während wir unser manasa prakriti stets verändern können.

Die Körperhüllen und ihre Eigenschaften im Ayurveda.

 

Die sieben Grundkonstitutionstypen im Ayurveda:

Wenn wir davon sprechen, dass die "Doshas in Balance" sein sollten, müssen wir im Hinterkopf beghalten, dass jene Balance abhängig ist von der Grundkonstitution des Menschen. Der Ayurvedamediziner Vasant D. Lad schreibt über die Grundkonstitutionstypen: "As many human beings as exist, that many unique prakritis will also be found. This is one of the most beautiful and profound contributions of Ayurveda to the understanding of health and medicine in the modern world: that every individual is unique." (Lad/Durve: Marmapunkte des Ayurveda, Naranaya 2015, S.16)

Auch wenn jedes Individuum eine ihm einzigartige Konstitution besitzt, lassen sich aus der Kombination der Doshas sieben Grundkonstitutionstypen festlegen:

  • Drei einfache Dosha-Typen (Prakriti ist Vata, Pitta oder Kapha)
  • Drei zweifache Dosha-Typen (Prakriti ist zweifach: Vata-Kapha bzw. Kapha-Vata; Vata-Pitta bzw. Pitta-Vata;Kapha-Pitta bzw. Pitta-Kapha) 
  • Der dreifache bzw. Tridosha-Typ (Prakriti besitzt eine mehr oder weniger gleichstarke Ausprägung aller drei Doshas Vata, Pitta und Kapha)

 

Dosha Ungleichgewicht - Vikriti

Solange sich ein Mensch ausgewogen ernährt und eine gute Lebensweise hat, herrscht prakriti und ist alles in bester Ordnung. Abweichungen davon werden nicht sofort, mit Sicherheit aber längerfristig zu einer Erhöhung eines Doshas führen. Dies zeigt sich anfänglich durch leichtes Unwohlsein und kann, wenn nicht rechtzeitig interveniert wird, über die ersten Symptome hin zum Erscheinen einer Erkrankung führen. Dieses Ungleichgewicht der Doshas bezeichnet man als Vikriti. Es zeigt sich bereits recht früh in einem veränderten Puls. Vikriti bedeutet „Veränderung“ oder „Störung der eigentlichen Natur“. Welches Dosha sich im Ungleichgewicht befindet, lässt sich meist durch das Erkennen der in der Störung dominant gewordenen Eigenschaften herausfinden.

 

Beispiele für Dosha Ungleichgewicht – Pitta vikriti, Vata vikriti und Kapha vikriti

Auch, wenn die Doshas verschiedene, wenn nicht gar gegensätzliche Qualitäten besitzen, arbeiten sie doch als funktionelle Einheit zusammen. Das heißt, sie kontrollieren und balancieren einander. Und das funktioniert ähnlich wie bei einer Wippe!

 

Auswirkungen eines Ungleichgewichts von Pitta Dosha

Nehmen wir an, dass Pitta – Feuer – erhöht ist, so werden sich, ganz bemüht um Ausgleich, die kühlenden Qualitäten von Vata und Kapha einschalten. Ganz pauschal lässt sich ein Pitta-Ungleichgewicht auf psychischer Ebene an Gereiztheit (Emotionen wie Wut, Hass, und Eifersucht dominieren) ablesen. Auf körperlicher Ebene ruft es Entzündungen und Hautprobleme hervor.  

 

Auswirkungen eines Ungleichgewichts von Vata Dosha

Erhöhtes Vata kann sich ausdrücken in Schlaflosigkeit, Verwirrung, Furcht, trockener Haut und Problemen des Bewegungsapparates (Arthrose, Rheuma, etc.). Um die psychophysiologische Balance von Vata zu erhalten, werden sich wahrscheinlich Pitta und Kapha einschalten.

 

Auswirkungen eines Ungleichgewichts von Kapha Dosha

Ein Kapha Vikriti kann sich äußern indem die Erhöhung und das Haften an Dingen und Menschen, die Gier, der Neid und die Lethargie zunehmen. Körperlich wird ein erhöhtes Kapha deutlich durch Gewichtszunahme, Erkrankungen wie Diabetes oder Asthma.

 

Ayurvedamedizin bei einem Dosha Ungleichgewicht

Und genau in diesem Paradigma prakriti/vikriti greift die Ayurvedamedizin. Das Ayurveda gibt uns verschiedene Möglichkeiten an die Hand, ein Ungleichgewicht zu erkennen und zu reduzieren. Anstatt die bloßen Symptome zu bekämpfen, analysiert der Ayurvedatherapeut bzw. die Ayurvedatherapeutin die Ursachen, die zu jener Störung geführt haben. Das sind die individuelle Ernährung ahara und vihara, die Lebensweise. Daraufhin werden gezielte Maßnahmen verordnet, um die vorhandene Disharmonie zu regulieren.

 

Therapien im Ayurveda

Die Möglichkeiten der Ayurveda Therapie sind mannigfach. Anstatt auf eine einzige Methode zu setzen, werden in der Ayurvedamedizin spezifische Therapiekonzepte kombiniert, um die Wirkmächtigkeit der einzelnen Methode zu steigern. Selbstverständlich verändern sich je nach persönlicher Grundkonstitution prakriti und Ausformung des vikriti die therapeutischen Empfehlungen zu Lebensführung, Ernährung, Kräuterkuren, Gewürzen, manueller Therapie, Fasten und Entgiftung, Yogasanas, Meditation, usw.

 Öl-Massagen helfen bei Dosha Ungleichgewicht.

 

Tipps aus der Ayurveda Praxis

Viele Faktoren beeinflussen das Gleichgewicht der Doshas. Z. B. die Tages- und Jahreszeiten, unsere Arbeit und Tagesroutine, unsere Ernährung und Beziehungen, kurz gesagt alle inneren und äußeren Einflüsse, denen wir tagtäglich ausgesetzt sind.

 

Maßnahmen, um die Doshas auszugleichen

Um Doshas auszugleichen, erfolgen zumeist Maßnahmen, die den störenden Einflüssen entgegengesetzt sind. So lässt sich das trockene, spröde und kalte Vata durch Ruhe, Regelmässigkeit und Wärme ausgleichen. Besonders empfehlenswert sind hier warme Ölmassagen. Das heiße und hitzige Pitta lässt sich durch Kühlung, Besänftigung und Mäßigung kontrollieren. Zu vermeiden sind hier scharfe Gewürze und Alkohol. Das ölige und gerne phlegmatische Kapha wiederum benötigt Wärme, scharfe Gewürze sowie Bewegung und Anregung, um ausgeglichen zu sein.

 

Auch im Ayurveda gilt: lieber vorbeugen als behandeln

Die Doshas sollten dauerhaft im individuellen Gleichgewicht gehalten werden und nicht erst, wenn das Pitta „überkocht“. Eine gesunde, individuell angepasste Ernährung gehört für ein gesundes prakriti ebenso dazu wie eine regelmässige Tagesroutine. Unter Umständen helfen spezifische Nahrungsergänzungen und mit Sicherheit unterstützen bewusste Körper- und Atemübungen die innere Balance und körperliche Ausgeglichenheit.

 

Wir raten mit Ayurveda: bleiben Sie ausgeglichen

Und wenn das gerade nicht geht, nehmen Sie sich zumindest einen Moment Zeit, atmen Sie 10x tief ein und aus und besinnen Sie sich auf Ihren gegenwärtigen Zustand. Sie sind kostbar, ganz wie Sie sind. Wir wünschen Ihnen alles Gute!

Haben Sie noch weiterführende Fragen? Wir freuen uns über Ihre Kommentare!

 

 

Autorin: Sabine Deutscher ist studierte Ayurvedamedizinerin, Heilpraktikerin und Naturkostladenbesitzerin der beinahe ersten Stunde (seit 1981). Sie ist nicht nur erfahrene Medizinerin und Geschäftsführerin, sondern auch begeisterte Yogini, Motorradfahrerin, Kräuterweiblein und politische Aktivistin.



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