Diabetes mellitus ist eine Störung des Zuckerstoffwechsels, die sich rasant ausgebreitet hat und als Volkskrankheit gilt. In Deutschland leiden etwa sieben Millionen Menschen an Diabetes mellitus, vor allem an Typ 2. Aus ayurvedischer Perspektive beleuchten wir mögliche Auslöser und Therapieformen für die Zuckerkrankheit. Wir stellen ayurvedische Kräuter vor und geben sieben Tipps zur Senkung des Blutzuckerspiegels.
Eine präventive und bei Diagnose rasch folgende Umstellung der Lebens- und Essgewohnheiten trägt oft zur Besserung der Erkrankung bei.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Diabetes mellitus beschreibt eine Störung des Zuckerstoffwechsels.
- Typ-2-Diabetes kann durch Lebensstiländerungen positiv beeinflusst werden.
- Ayurveda empfiehlt eine Kapha-reduzierende Ernährung.
- Regelmäßige Bewegung ist essentiell zur Verbesserung der Symptome.
- Verschiedene ayurvedische Kräuter können zur Senkung des Blutzuckers beitragen.
Diabetes mellitus – Harnruhr und Diagnostik
Der Patient hat großen Durst, heiße Füße und starken Harndrang, woraufhin ein Arzt konsultiert wird. Häufig lautet die Diagnose nach einem Urintest: Diabetes. Bei Diabetes kann nicht genug Zucker aus dem Blut ins Gewebe gelangen, was die Zuckerkonzentration im Blut erhöht. Der Begriff Diabetes mellitus stammt aus dem Griechischen und bedeutet „honigsüßes Durchfließen“, was sich auf den Urin bezieht, der bei Menschen mit Diabetes im Übermaß gebildet wird.
Warum ist Diabetes gefährlich?
Die organischen Folgeschäden eines unbehandelten oder lang bestehenden Diabetes sind lebensbedrohlich. Auf Dauer werden sämtliche Dhatus (Körpergewebe) geschädigt, was zu weiteren Symptomen und Folgeerkrankungen führt. Eine frühe und ganzheitliche Behandlung sowie die Vermeidung der Ursachen sind notwendig.
Hauptformen des Diabetes
Die Klassifikation des Diabetes mellitus wurde durch medizinische Forschung detailreicher. Neben Diabetes Typ 1 und 2 gibt es Typ 3 und Unterkategorien sowie Schwangerschafts- und kindlichen Diabetes. Gemeinsam ist diesen Formen der krankhaft erhöhte Blutzuckerspiegel. Die Ursachen sind jedoch unterschiedlich. Diabetes Typ 2 wird durch Übergewicht, Fettleibigkeit und Bewegungsmangel beeinflusst.
Diabetes mellitus Typ 2 in der Ayurveda-Medizin
Ayurveda nennt den Diabetes Typ 2 „madhumeha“ oder „prameha“. Die Ursache von Prameha ist meist eine Hyperglykämie, die durch eine verminderte Insulinproduktion der Bauchspeicheldrüse verursacht wird. Dies beeinträchtigt den Kohlenhydrat-, Eiweiß-, Fettstoffwechsel und den Wasser-Elektrolyt-Haushalt, was zu Komplikationen an Augen, Nieren, und anderen Organen führt.
Prameha: Diabetes-Diagnose im Ayurveda
Der Ayurveda unterscheidet 20 Formen von Prameha. Diabetes ist eine Form von Prameha, während Prameha mehr als Diabetes umfasst. Prameha ist eine Stoffwechselstörung von Agni (Verdauungsfeuer). Bei einer Dysfunktion dieser Agnis wird der Kohlenhydratstoffwechsel gestört und die Krankheit manifestiert sich.
Ayurveda-Texte: Diabetes als Folge einer Kapha-Störung?
Der Diabetes gehört zu den am besten dokumentierten Erkrankungen in der westlichen und fernöstlichen Medizin. Die Asthanga Hrdayam, Vagbhata Samhita und Charaka Samhita beschreiben den Auslöser von Prameha als Erhöhung des Kapha. Schleim, Fett und Urin werden durch süße, saure, salzige, fettige, schwer verdauliche Speisen, Alkohol und unregelmäßiges Schlafen vermehrt.
Ursachen für Diabetes: Ungute Lebensweise und Essgewohnheiten
Die Entstehung von Prameha beginnt fast immer mit vermehrtem Kapha. Wird die Behandlung vernachlässigt, treten weitere Symptome auf. Viele Zeichen des Typ-2-Diabetes korrelieren mit den Symptomen für die Kapha-Ausprägungen des Prameha. Übergewicht ist ein entscheidender Auslöser, da Fettzellen Botenstoffe abgeben, die die Insulinempfindlichkeit herabsetzen.
Kriyakala – Phasen der Diabetes-Erkrankung im Ayurveda
Die ersten drei Phasen jeder Krankheit heißen Sanchaya (Akkumulation), Prakopa (Provokation) und Prasara (Ausbreitung). Hoher Blutzucker wird als vermehrtes Kapha in der Ausbreitungsphase beschrieben. Eine Behandlung sollte im Stadium der Provokation erfolgen, bevor es zur Erhöhung des Doshas und zur Organschädigung kommt.
| Kriyakala | Stadium | Beschreibung |
| Sanchaya | Akkumulation | Dosha erhöhende Ursache >> Doshazunahme, noch begrenzt auf den Doshasitz |
| Prakopa | Provokation | Dosha-aggravation greift auf die nähere Umgebung des Sitzes über |
| Prasara | Ausbreitung / Migration | Aggraviertes Dosha verlässt seinen Sitz, zirkuliert im Körper, in den srotas (Körperkanälen) |
| Sthana-Samsraya | Lokalisation | Dosha staut sich an vorgeschädigten Stellen, an denen die srotas Dysfunktionen aufweisen |
| Vyakti | Manifestation | Gestautes Dosha greift auf angrenzendes Gewebe (dusya) über, Symptomatik manifestiert sich |
| Bheda | Komplikation, Chronizität | Anhaltender Krankheitsprozess führt zu Komplikationen oder irreversiblen Schäden der Gewebe |
Das empfiehlt der Ayurveda zur Diabetes-Vorbeugung
Lebensweise (vihara): Im Ayurveda heißt es, dass Tagesschlaf, der länger als 30 Minuten geht, und ein bewegungsarmes Leben die Entstehung des Diabetes befördern.
Ernährung (ahara): Der Ayurveda empfiehlt, nur dann zu essen, wenn du hungrig bist. Die Speisen sollten alle sechs Geschmacksrichtungen enthalten. Ist nur der süße Geschmack vorherrschend, wird Kapha und damit medas (Fett) erhöht, was zu Prameha führt.
In der Sushruta Samhita steht, dass ein Typ-2-Diabetes mellitus Patient 800 Meilen in einem Jahr barfuß gehen oder körperliche Arbeit verrichten sollte. Körperliche Anstrengung fördert die Stabilität der Organe und Normalisierung des Stoffwechsels. Sport, Gartenarbeit, Asanas und Pranayama sind empfehlenswert. Empfohlen werden Speisen, Kräuter und Gewürze mit scharfem, bitterem und zusammenziehendem Geschmack.
Ayurvedische Kräuter zur Reduktion erhöhter Blutzuckerwerte
Als blutzuckersenkende Kräuter nennt der Ayurveda:
- Amla: Phyllanthus emblica / Amalaki
- Triphala: Die Früchte des Haritaki, Vibhitaki, Amalaki
- Guduchi: Tinospora cardifolia
- Arjuna: Terminalia Arjuna
- Methika: Trigonaella foenugraecum / Bockshornklee
- Haridra: Curcuma Longa / Curcuma
- Musta: Cyperus rotendus
- Aristaka: Azadirachta indica / Neem
- Gokshura: Tribulus terrestris / Erdstachelnuss
- Karela: Momardica charantia / Bittergurke
- Bhunimba: Andrographis paniculata / Kalmegh
- Meshashrungi: Gymnema sylvestrae / Gurmar
- Jambu: Syzygum cumini / Jambulbaum
- Daruharidra: Berberis aristata / Berberitze
- Shatavari: Spargel racemosus / ind. Spargelwurzel
- Tvak: Cinnamum / Zimt
- Shilajit / Mumijo
- Guggul / Myrrheharz
Was muss ich mir merken?
Wir haben viel über Diabetes Typ 2, Kaphastörungen und mögliche Folgeerscheinungen der Krankheit erfahren. Entscheidend ist, in welchem Stadium die Behandlung einsetzt und ein Veränderungsprozess hinsichtlich der Ernährungs- und Lebensgewohnheiten begonnen werden kann. Jeder Patient sollte individuell behandelt werden, doch gelten folgende Leitsätze:
- Vermeide die Ursachen.
- Überprüfe deine Ernährung (ahara) und deine Lebensweise (vihara) – verändere, wenn nötig, bewege, wenn möglich.
- Führe Fastenkuren (shodana) und Reinigungskuren (pancha karma) durch, um deinen Stoffwechsel zu entlasten, Giftstoffe auszuleiten, dein Gewebe zu stärken und die Selbstheilung deines Körpers anzuregen.
- Unterstütze die Therapie mit Kräutern, Ölen und Tees.
[Soforthilfe] 7 Tipps bei Diabetes: Was kann ich direkt tun?
Eine Kapha-reduzierende Ernährung ist unumgänglich, ebenso die Veränderung der Lebensgewohnheiten. Wie du dies beginnen kannst, erläutern wir hier:
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Trinke warmes Wasser, am besten mit Ingwer.
Trinke morgens nach dem Aufstehen 2-3 Gläser warmes Wasser und den ganzen Tag über heißen Ingwertee (6 Scheiben frische geschälte Ingwerknolle und eine Prise Pfeffer in einem Liter Wasser 10-20 min. köcheln). Auch Honigwasser unterstützt den Ausleitungsprozess, da Honig auskratzend, reinigend wirkt. -
Nimm Curcuma zu dir.
Am besten 2-3x täglich, vor dem Essen. Entweder du trinkst ½ - 1 Teelöffel Curcumapulver + warmes Wasser oder verzehrst die frische Wurzel. -
Iss möglichst regelmäßig und größtenteils warm.
Besonders gut sind Mung-Bohnen, Kitchari sowie gedünstete Gemüse und Gemüsesuppen. Meide kalte, saure, fettige und frittierte Nahrung sowie Wurst, Fleisch und Eier, besonders abends. Das beste Fleisch ist Huhn. Als Ersatz sind Hülsenfrüchte, Tofu und Soja-Produkte zu empfehlen. -
Iss bewusst.
Verwende einen kleineren Teller, richte die Speisen ansprechend an und stelle nur den Teller, nicht die Töpfe auf den Tisch. Iss in Ruhe und ohne Ablenkung. -
Trockene Massagen und Saunagänge.
Reibe den ganzen Körper 1-2x täglich mit einer Bürste oder einem rauen Handschuh ab. Regelmäßige Saunagänge sind ebenfalls empfehlenswert. -
Regelmäßige Bewegung.
Mache regelmäßig Spaziergänge oder Sport nach eigenem Wunsch. Yoga, Entspannungsübungen und Meditation sind zu empfehlen. Meide Tagesschlaf und Bequemlichkeit. -
Atemübungen und Meditation.
Das sollte ein fester Bestandteil deines Tages werden, beispielsweise vor dem Zubettgehen oder morgens vor dem Frühstück.
Aus eigener Erfahrung als Ayurvedamedizinerin
Ein Patient im Frühstadium der Diabetes erkennt oft nicht die Notwendigkeit, etwas an seiner Ernährung oder Lebensweise zu ändern, wodurch wertvolle Zeit verstreicht und die Gewebe geschädigt werden. Der Kreislauf der Erkrankung kann nur durch die Bereitschaft, frühzeitig Änderungen vorzunehmen, durchbrochen werden.
Positive Beispiele haben gezeigt, dass eine Veränderung von Gewohnheiten und Ernährung möglich ist. Auch ohne Diätplan, nur mit dem richtigen Essen zur richtigen Zeit, können Blutzuckerspiegel gesenkt, Cholesterin abgebaut und das Körpergewicht reduziert werden. Dies erhöht die Beweglichkeit und Lebensfreude.
Wichtig ist die Einsicht des Patienten, dass er selbst verantwortlich für sich ist. Nur so kann die Bereitschaft entstehen, frühzeitig etwas zu verändern. Ayurveda-Mediziner unterstützen dich dabei.




