Was ist Curry? 10 Fakten über die indische Gewürzmischung

Was ist Curry? 10 Fakten über die indische Gewürzmischung

Der kleine Currybaum in unserem Garten hat in diesem Sommer das erste Mal geblüht. Es war diese herrlich duftende weiße Dolde mit ihren filigranen Blütenblättchen, die mich inspirierte, etwas über das Thema Curry zu schreiben. Beim „Curry“ denken die meisten Menschen an das gelbe bis rote Gewürzpulver mit dem man wahlweise die Currywurst bestreut oder indisch kocht. Doch hinter Curry verbirgt sich so viel mehr!

 

1. Curry ist eigentlich die Bezeichnung für einen indischen „Eintopf“.

Ausgesprochen wird es „Kari“ und es ist ein Überbegriff für eine regional sehr verschiedene Küche, in deren Zentrum abertausende Variationen von Soße (Kari) und Gewürz (Masala) stehen. Rein in den Topf kann je nach Geschmack Gemüse, Fleisch, Fisch, oder alles zusammen. Spezielle Formen und Unterarten des Curries sind beispielsweise: das Schmorgericht „Korma“, das Gemüse-Linsencurry „Sambar“ und die Currysoße auf Tomatenbasis „Tikka“.

Leckeres Curry-Gericht

 

2. Currypulver sollte eigentlich Masala heißen.

Das bei uns bekannte Currypulver existiert in der Form nicht in Indien. Dort heißt jede Form von Gewürzmischung „Masala“ und es gibt hunderte verschiedene Masalas für spezielle Currygerichte zu kaufen. Das Currygericht selbst wird von Familie zu Familie unterschiedlich zubereitet. Es unterscheidet sich hauptsächlich durch die jeweilige Komposition, die aus den klassischen Gewürzen Kurkuma, Koriander, Kreuzkümmel, Bockshornklee, Ingwer, Kardamom, Senf, Zimt plus individueller zusätzlicher „Geheimzutaten“ entsteht.

Zutaten zur indischen Gewürzmischung Curry

 

3. Etymologie: Wie aus Kari Curry wurde.

Seinen Ursprung hat das Wort „Curry“ in der südindischen Sprache Tamil, die im Südosten Indiens von Tamil Nadu bis Sri Lanka gesprochen wird. Kari Vempu ist das tamilische Wort für den asiatischen Currybaum. Zur Kolonialzeit waren bekanntlich viele Engländer in Südindien, die das Kari aussprachen wie Carree. Und da die Blätter des Currybaums in vielen Gerichten und Gewürzmischungen dazugehörten, wurde binnen 100 Jahren aus Kari zuerst Carree und im 17. Jahrhundert Curry. In Europa ist Curry als Begriff für indischen Eintopf übrigens erst seit der Mitte des 19. Jahrhunderts gebräuchlich.

Hier kommt der Begriff kari her

 

4. Das Currykraut ist eine Gewürz- und Heilpflanze, die auch bei uns im Garten gedeiht.

Lat. Helichrysum italicum, auch Immortelle genannt, kommt gar nicht aus Indien, sondern aus dem Mittelmeerraum. Das Currykraut wächst bei uns als mehrjähriges Gewürzkraut und kommt sehr gut durch den kalten Winter. Bei guter Pflege wird es zu einem bis zu einem Meter hohen buschigen, immergrünen Strauch, der optisch ein wenig an Rosmarin erinnert. Es sei denn, er zeigt gerade seine markanten gelben Blüten, die ihn sehr dekorativ machen. In der Naturheilkunde wird sowohl das frische Kraut als auch das Immortelle-Öl verwendet. Hier gibt es Empfehlungen für die Blutreinigung, die Durchblutung oder bei Arthrose-Beschwerden. Der Currystrauch wächst auch bei uns

 

5. Curryblätter vom Baum? Ja, es gibt noch eine zweite Currypflanze

Kari Vempu, lat. Bergera koenigii ist bezeichnet den Auslöser dieses Blogartikels: Den Currybaum, der im tropischen Asien in Regionen in bis zu 1500 m Höhe wächst - und bei uns vor der Haustüre. In den Tropen wird Kari Vempu bis zu sechs Metern hoch, in unseren Breitengraden bleibt der Currybaum bei einer handhabbaren Größe von höchsten einem Meter. Das ist sehr praktisch, denn er muss im Winter rein ins Warme, denn er verträgt die mitteleuropäische Kälte nicht gut. Jetzt im August zeigt er seine weiße Blüte. Sie duftet exotisch schwer und erinnert an Frangipani- und Kaffeestrauchblüten. Lecker.

Das Foto stammt übrigens aus unserem eigenen Garten!

Der Currybaum aus unserem Garten

 

6. Kochen mit Currykraut und Curryblättern.

Der Geruch des Currykrauts und seiner Blüten erinnert stark an die Curry-Gewürzmischung und ist verantwortlich für die Namensgebung. Die frischen Zweige eignen sich als Zutat für alle Curry-Eintöpfe, Reis oder würzige Suppen und deftige Gerichte. Aber so ganz ersetzen können sie eine gute Gewürzmischung natürlich nicht.

Die Curryblätter vom Baum werden entweder getrocknet oder frisch in Kokosöl bzw. Ghee angebraten und anschließend über den fertigen Curry-Eintopf gegeben. In Südindien geschieht dies meist gemeinsam mit grünen Chilis und Senfsamen. Die Curryblätter geben einem Gemüse, Dhal- oder Reisgericht ein wunderbar frisches, leicht fruchtiges Aroma, haben aber noch ein paar weitere Eigenschaften...

Getrocknete Curryblätter von Miraherba

 

7. Die Verwendung des Currybaums im Ayurveda.

In der Ayurveda-Medizin werden fast alle Teile des Currybaumes verwendet, im Alltag kommen jedoch in der Regel die Blätter zum Einsatz. Sie gelten als verdauungsharmonisierend, daher ist der tägliche Verzehr bei Magen-Darm Störungen, Völlegefühl und Blähungen angebracht. Neben dem wunderbaren Geschmack wohl ein Grund, weshalb sie aus der südindischen Küche kaum wegzudenken sind. Dazu werden am besten frische Curryblätter über das Essen gestreut - das sieht dann auch noch sehr hübsch aus! Leckeres Essen mit Curryblättern drauf

8. Frisches Curry-Pulver wird vor dem Kochen sanft angeröstet.

Für ein „richtiges“ Curry wird ein Großteil der einzelnen Gewürz-Zutaten frisch gemörsert, bevor sie in der heißen Pfanne ohne Fett angeröstet werden. Warum?

Bereits dieser Duft lockt die Verdauungssäfte. Es läuft einem im wahrsten Sinne des Wortes „das Wasser im Mund zusammen“: Das bemerkt man an der Pfütze auf der Zunge, die sich bildet, um die Speisen im Mund vorzuverdauen. Derweil reagieren auch die anderen Verdauungsorgane wie Magen, Bauchspeicheldrüse oder Galle mit der Ausschüttung von Verdauungsflüssigkeiten. Dieser Vorgang wird im Ayurveda als agni-anregend bezeichnet: Das Verdauungsfeuer wird gezündet. Ist dieses aktiv, kann das Essen gut verdaut und somit vollständig verstoffwechselt werden.

 

9. So wird das Curry-Pulver zubereitet.

Vor dem Mischen der Einzelgewürze für unsere Miraherba-Currys rösten wir einen Teil davon bei niedriger Temperatur in einer großen gusseisernen Pfanne an, bis der wunderbare Duft durchs ganze Haus zieht. Einige Gewürze dürfen jedoch nicht geröstet werden, da sie ansonsten entweder bitter werden oder ihre Wirkung einbüßen. Das betrifft vor allem Chilipulver und Asafoetida.

Tipps für die eigene Currymischung

Wenn Sie selbst eine eigene Currypulver-Mischung zubereiten wollen, geben Sie diese empfindlichen Gewürze Ihrer fertigen Mischung erst nach dem Röstvorgang hinzu. Wenn Sie nicht auf Vorrat mischen, sondern nur eine kleine Menge für das nächste Essen brauchen, lassen Sie die fertige Mischung direkt in der Pfanne. Sobald sich nach ca. 1-2 Minuten ein warmer, würziger Geruch entwickelt, kann das Fett zur Pfanne hinzugegeben werden und der eigentliche Bratvorgang mit frischem Ingwer, Knoblauch und den übrigen Zutaten beginnt. Geben Sie hier rasch genug Flüssigkeit hinzu, damit Ihnen die Gewürzmischung nicht im heißen Fett verbrennt!

Die Miraherba Bio-Currys

Rotes Thai Curry

Ayurvedisches Curry

Rajasthan Curry

Das Rote Thai Curry in der Nahaufnahme

Das ayurvedische Curry in der Nahaufnahme

Das Rajasthan Curry in der Nahaufnahme

 

10. Curry im Ayurveda: Hauptsache ausgewogen.

Es gibt zahllose Currymischungen und natürlich hat auch das Ayurveda eine Mischung parat: Im Ayurvedischen Curry werden die Zutaten nach dem Prinzip der Ausgeglichenheit zusammengestellt. Demnach sollten in einer Mahlzeit alle Geschmacksrichtungen enthalten sein, um dem Körper ein ausgeglichenes, stärkendes und verdauungsförderndes Mahl anzubieten. Diese Geschmacksrichtungen sind: Salzig, süß, bitter, zusammenziehend, sauer und scharf.

Dementsprechend finden sich in unserer eigenen ayurvedischen Curry-Mischung die folgenden Zutaten:

 

Gewürz

Geschmack

Eigenschaften

thermische Wirkung

Curcuma

Curcuma

bitter, scharf

trocken, leicht

erhitzend

Chili

Chli

scharf

ölig, penetrierend

erhitzend

Ingwer

Ingwer

scharf

leicht, ölig

erhitzend

Coriander

Coriander

Scharf, bitter, süß, zusammenziehend

ölig, leicht

erhitzend

Nelke

Nelke

Scharf, Bitter

leicht, ölig

kühlend

Cardamom

Cardamom

Süß, Scharf, bitter

leicht, trocken

kühlend

Bockshornklee

Bockshornklee

Scharf

ölig, leicht

erhitzend

Pippali

Pippali

süß

Leicht, ölig, schwer, penetrierend

anusna - sowohl kühlend als auch erhitzend

Cumin

Cumin

Scharf, bitter, süß, zusammenziehend

leicht, trocken

erhitzend

Senfsaat

Senfsamen

Scharf, bitter

penetrierend, ölig

erhitzend

Anis

 Anis-Samen

Süß, scharf, bitter

leicht, ölig

erhitzend

Ajowain

Ajowain

Scharf, bitter

penetrierend, leicht, rau

erhitzend

Zimt

Zimt

Scharf, süß, bitter

leicht, penetrierend

erhitzend

 

Wem ist es aufgefallen? Genau richtig, der Geschmack „salzig“ fehlt in der Mischung – das nötige Salz fügen Sie ganz nach Belieben selbst hinzu.

 

Und Jetzt: Viel Spaß beim Kochen!

Jetzt wissen Sie genug, um die Frage „was ist eigentlich Curry?“ ausführlich zu beantworten (Okay, offenbar gibt es auch eine Programmiersprache, die Curry heißt, aber über die möchte ich nichts schreiben, denn davon verstehe ich nichts) und vor allem: selbst kreativ zu werden und leckeres Curry zu zaubern! Versuchen Sie doch mal, mit Ihren eigenen Ideen und Gewürzen Ihre individuelle Familien-Currymischung herzustellen. Es macht auf jeden Fall großen Spaß und es ist immer wieder verblüffend was dabei Leckeres herauskommt.

Haben Sie das Gefühl, dass etwas fehlt oder haben spannende Fakten zu Curry auf Lager? Dann teilen Sie das gerne mit uns und anderen Lesern in den Kommentaren.

 

Ich wünsche Ihnen viel Vergnügen beim Kochen und Duften!

Ihre Sabine Deutscher

Autorin: *Sabine Deutscher* ist studierte Ayurvedamedizinerin, Heilpraktikerin und Naturkostladenbesitzerin der beinahe ersten Stunde (seit 1981). Sie ist nicht nur erfahrene Medizinerin und Geschäftsführerin, sondern auch begeisterte Yogini, Motorradfahrerin, Kräuterweiblein und politische Aktivistin.

 

Creative Commons Lizenzvertrag
Was ist Curry? 10 Fakten über die indische Gewürzmischung von Miraherba ist lizenziert unter einer Creative Commons Namensnennung - Nicht kommerziell - Keine Bearbeitungen 4.0 International Lizenz. Fotos: Unsplash, Pexels, Pixabay, Wikimedia Commons: Kareha - a photograph taken by myself, CC BY 2.5 / Júlio Reis - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0 / BishkekRocks - Kartenvorlage: demis.nl- Verbreitungsgebiet nachgezeichnet nach der Karte Language families and branches, languages and dialects in A Historical Atlas of South Asia, Oxford University Press. New York 1992., CC BY-SA 3.0 / David Monniaux - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0

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