Tamarinde – Die Wirkung der indischen Dattel Tamarindus indica

Tamarinde – Die Wirkung der indischen Dattel Tamarindus indica

Am Brunnen vor dem Tore… da steht ein Tamarindenbaum!

So müsste das Lied in Südindien gehen, denn mindestens ebenso häufig wie man hierzulande auf Lindenbaum oder Kastanie trifft, steht man im Süden Indiens im Schatten eines Tamarindenbaums. Als wir vor Jahren unseren Freund und Ayurvedamediziner Dr. Lal in Calicut (im Bundesstaat Kerala) besuchten, ragte vor seinem kleinen Praxishaus ein 20 Meter hoher, stattlicher Baum mit lustig anzusehenden immergrünen Blättern in den Himmel. Jeden Morgen lagen die rundlichen braunen Schoten am Boden und warteten darauf, aufgesammelt und verarbeitet zu werden.

Was man mit Tamarinde alles herstellen kann und welche Wirkung der Ayurveda der bräunlich-roten Paste aus den Tamarinden-Schoten zuschreibt, erfahren Sie in diesem Blogartikel. Bis zum Ende lesen lohnt sich, denn dort teilen wir eines unserer Lieblingsrezepte für Tamarinden-Chutney mit Ihnen.

 

Ein bisschen Botanik zum Tamarindenbaum

Der Tamarindenbaum, botanisch Tamarindus indica, ist ein immergrünes Johannisbrotgewächs, das sehr langsam wachst und enorm hartes Holz hat. Bekannt ist die Tamarinde auch als „indische Dattel“, oder „Sauerdattel“. Bis zu zehn Jahre braucht der Tamarindenbaum, bis die ersten Früchte daran wachsen. Der Tropenbaum wurzelt sehr tief und wird zwischen fünf und 25 Metern groß. Des Nachts faltet er seine ellipsenförmigen kleinen Blättchen zusammen und geht sozusagen schlafen. Seine genaue Herkunft ist unklar, vermutet wird der Ursprung des Tamarindenbaums in Nordafrika. Von dort aus gelangte er wohl recht früh nach Asien und ist heute sogar im Mittelmeerraum und Südamerika verbreitet.

Tamarindenbaum mit Blüten

Zwischen Dezember und März bilden sich aus den roten Blüten des Baums die länglichen und bräunlichen Fruchtschoten, die – je nach Sorte – fünf bis 20 cm lang werden. Die Fruchtschoten der Tamarinde sind, wenn sie reif sind, hellbraun bis gräulich und tragen in sich zwei bis zehn harte Kerne, sowie das köstliche Tamarindenmus. Je nach Sorte unterscheiden sich Farbe und Geschmack des in den Schoten enthaltenen Tamarindenmus. Während die Wildformen sehr sauer sein können, weisen die gezüchteten Tamarindenbäume das bekannte und beliebte süßlich-saure Aroma auf.

 

Verwechslungsgefahr: Zwei Sorten Tamarinde

Nicht verwechseln sollte man die Tamarindus indica mit der Frucht der Carcinia Camborgia, der sogenannten „Malabar Tamarinde“. Die Frucht der Malabar Tamarinde ähnelt einem kleinen Kürbis (ähnlich einer Guave, Zitrone oder Orange). Aufgrund des hohen Gehaltes an Hydroxy-Citronensäure wird der Malabar Tamarinde eine appetitzügelnde Wirkung nachgesagt. Dies lässt sich bislang allerdings nicht wissenschaftlich belegen!

Tamarinde nicht mit Tamarinde verwechseln

 

So gesund ist die Tamarinde: Wertvolle Inhaltsstoffe

Die indische Dattel steckt voller wichtiger Mineralstoffe, was sie nicht nur für Veganer und Vegetarier zu einem interessanten Zusatz bei der täglichen Ernährung macht. Neben den für eine Frucht selbstverständlichen Bestandteilen Wasser, Ballaststoffen und Kohlehydraten weist sie einen recht ansehnlichen Gehalt von Eisen, Calcium, Phosphor, Magnesium und Vitamin D auf. Hinzu kommen Weinsäure und Zimtsäure. In größeren Mengen genossen, wirkt die Tamarinde leicht abführend, man sollte sie also nicht jeden Tag allzu großzügig im Smoothie verarbeiten.

 

Tamarinde in der Küche

Beinahe überall wo dieser Baum wächst, werden seine Früchte und Blüten verarbeitet. Man kann aus den Blüten Salate machen und aus dem Tamarinden-Mus erfrischende Limonade. Das Mark der Tamarinde kommt hauptsächlich in der Küche zum Einsatz. Egal ob indisch, thailändisch, indonesisch oder chinesisch, die asiatische Küche liebt die herbsüße Tamarinde in Form von Chutneys, Konfekten und süßsauren Currys. Selbstverständlich gibt es auch unzählige afrikanische, südamerikanische und persische Gerichte mit Tamarinde, beispielsweise Tamarindenessig, kandierte Tamarinde mit Chili, oder geschmortes Fleisch mit Granatapfelsamen und Tamarindenpaste. Aber das nur als Fußnote.

Auch die Europäische Küche kommt übrigens nicht ganz ohne Tamarinde aus: Als Zusatz der britischen Worcestersauce hält die Tamarinde schon seit dem 19. Jahrhundert Einzug in die europäische Küche!

 

Tamarinde und ihre Wirkung im Ayurveda

Die Tamarinde hat nicht nur eine antiseptische, sondern auch eine leicht abführende Wirkung. Der Ayurveda erklärt dies durch das saure Rasa (Geschmack). Die sogenannte thermische Eigenschaft (Virya) ist erhitzend, der Geschmack nach der Verdauung (Vipaka) ist ebenfalls sauer. Die Wirkung von Tamarinde auf die Dosas ist Vata-reduzierend, während Pitta und Kapha angeregt werden.

getrocknete Tamarindenschote

Nicht selten setzt der Ayurveda Tamarinde bei Suchterkrankungen ein. So empfiehlt eine Rezeptur gegen Süchte, vor allem Alkohol, eine Abkochung, bzw. einen Sirup aus: Datteln, Schwarzen Rosinen, Granatapfel, Indischer Stachelbeere (Amla) und Tamarinde.

Die wissenschaftlichen Erkenntnisse zur Wirkungsweise der Tamarinde stammen hauptsächlich aus Asien. Hier wurde beispielsweise die antibakterielle Wirkung, sowie der Einsatz bei Fieber, Diabetes II oder Ekzemen erforscht. Die Wirkung der Tamarinde bzw. ihrer Früchte konnte bereits in einigen Tests und Studien belegt werden. Interessierte finden hier einen Überblick über die aktuelle Forschung: Google Scholar.

 

Rezept: Tamarinden Chutney mit Mango

Chutneys gehören zur indischen Küche einfach dazu. Als Dip oder Sauce geben sie dem Hauptgericht den gewissen Kick. Das Tamarinden Chutney mit Mango passt besonders gut zu frischen Gemüsecurrys und darf auch in südindischen Thalis nicht fehlen.

Zubereitungsdauer:

Ca. 20 Minuten

Zutaten:

Zuttaten für das Tamarinden-Chutney Rezept

2 Mangos – nicht zu reif
1 kleine Zwiebel
1 EL Tamarindenpaste
1 El Sesamöl
1 Tl Piment
2 Nelken
1 Tl Senfsamen
2 Chilischoten
3 cm frischen Ingwer
3 cm frischen Curcuma
1 Tl Currypulver
¼ Tl Garam Masala
½ Bund frischer Koriander
½ Tl Salz
1 Tl Kokosblütenzucker oder Dattelsüße 

Zubereitung:

Mango schälen, das Fleisch vom Kern lösen und in Würfel schneiden

Öl erhitzen, Senfsamen, Piment und Nelken hinzugeben

Zwiebel, Chili, Curcuma und Ingwer fein hacken, zu den Gewürzen und leicht anbräunen. Das Garam Masala, das Mango Fruchtfleisch und Tamarindenpaste unterrühren und 3-5 min köcheln lassen.

Vom Herd nehmen und mit Salz, Kokosblütenzucker oder Dattelsüße abschmecken. Den kleingeschnittenen Koriander darüber streuen.

 

Rezept Tamarinde Mango Chutney

 

Haben Sie Tamarinde schon mal auf einer Ihrer Reisen ausprobiert? Was war das ungewöhnlichste Rezept? Wir freuen uns auf Ihre Geschichten und Rezeptvorschläge.

Bis dahin wünschen wir Ihnen alles Gute und eine glückliche Zeit,

Ihre
Sabine Deutscher

 

Autorin: *Sabine Deutscher* ist studierte Ayurvedamedizinerin, Heilpraktikerin und Naturkostladenbesitzerin der beinahe ersten Stunde (seit 1981). Sie ist nicht nur erfahrene Medizinerin und Geschäftsführerin, sondern auch begeisterte Yogini, Motorradfahrerin, Kräuterweiblein und politische Aktivistin.

 

Creative Commons Lizenzvertrag

Tamarinde – Die Wirkung der indischen Dattel Tamarindus indica von Miraherba ist lizenziert unter einer Creative Commons Namensnennung - Nicht kommerziell - Keine Bearbeitungen 4.0 International Lizenz. Fotos: Pixabay, Pexels, Wikipedia Commons (von Pranav Yaddanapudi from Hyderabad, India - tamarind flowers Uploaded by Epibase, CC BY 2.0).

Schreiben Sie einen Kommentar

* Name:
* E-mail: (nicht publiziert)
* Kommentar: